Warum ein Bluttest PMDS nicht zeigt
Bei PMDS liegen die Hormonwerte im Blut meist im gleichen Bereich wie bei Menschen ohne PMDS. Die Forschung spricht dafür, dass das Gehirn anders auf normale Schwankungen von Progesteron und Allopregnanolon in der Lutealphase reagiert. Deshalb zeigt kein Bluttest PMDS. Das Muster wird sichtbar, wenn Beschwerden mindestens zwei Zyklen lang täglich festgehalten werden.
Was ein Bluttest zeigen kann und was nicht
Eine Ärztin oder ein Arzt kann Blut abnehmen, um andere Ursachen auszuschließen, etwa eine zu schnelle oder zu langsame Schilddrüse. Das gehört zu einer sorgfältigen Abklärung. Das Ergebnis zeigt PMDS selbst nicht.
Forschende finden in der Lutealphase keinen typischen zu hohen oder zu niedrigen Wert von Progesteron oder Allopregnanolon, mit dem sich PMDS von Menschen ohne diese Beschwerden unterscheiden lässt. Periphere Werte sind deshalb kein brauchbarer Biomarker (Bixo, Stiernman und Bäckström, 2025).
Was sich in der Lutealphase ändert
Nach dem Eisprung bildet der Gelbkörper Progesteron. Ein Teil davon wird zu Allopregnanolon umgebaut. Der Stoff wirkt am GABA-A-Rezeptor, einem System im Gehirn, das mit Ruhe und Wachheit zu tun hat. Der Spiegel steigt und fällt mit dem Progesteron und sinkt wieder, wenn die Menstruation beginnt.
Bei den meisten Menschen wirkt Allopregnanolon in höherer Konzentration beruhigend. Bei einem kleineren Teil kann eine niedrigere Konzentration mit Unruhe oder Reizbarkeit einhergehen. Eine Übersicht von 2025 verbindet das mit Befunden bei PMDS: Die Beschwerden folgen diesen Schwankungen bei Menschen, die dafür empfindlich sind (Bixo u. a., 2025).
Was Studien zeigen, wenn der Eisprung unterdrückt wird
In einer Studie von 1998 verschwanden schwere prämenstruelle Beschwerden, als der Eisprung medikamentös unterdrückt wurde. Als anschließend Östradiol oder Progesteron zurückgegeben wurde, kehrten die Beschwerden zurück. Bei Frauen ohne diese Beschwerden geschah das nicht auf dieselbe Weise (Schmidt u. a., 1998). Der Artikel spricht vom prämenstruellen Syndrom, dem damaligen Namen für diese schweren Beschwerden.
Die Übersicht von Bixo u. a. (2025) ordnet solche Befunde bei PMDS ein. Die Beschwerden passen zu einer Empfindlichkeit für normale Hormonveränderungen. Ein auffälliger Blutwert ist dafür nicht nötig.
Warum zwei Zyklen das Muster zeigen
Leitlinien verlangen, Beschwerden vorauslaufend über mindestens zwei Zyklen festzuhalten, bevor eine Diagnose gestellt wird. Hinterher aus der Erinnerung zu schildern, ist dafür zu unzuverlässig. Das steht in der RCOG-Leitlinie (Green-top 48), in den Prüfstandards der ISPMD (2016), in der ACOG-Leitlinie von 2023 und in der Definition der ICD-11, Kode GA34.41.
Das DSM-5 verlangt dasselbe Muster: Beschwerden in der Woche vor der Menstruation, minimal oder fehlend in der Woche danach, mit spürbarer Belastung, bestätigt über mindestens zwei Zyklen. Dafür werden am häufigsten tägliche DRSP-Einträge genutzt. Die App macht das Muster sichtbar. Eine Diagnose stellt die App nicht.
Was die Tage nach der Menstruation sagen
Bei PMDS sollen die Beschwerden in der Woche nach Beginn der Menstruation minimal oder abwesend sein. Das ist der Kontrast zur Lutealphase. Viele Menschen merken das in der Follikelphase: Die schweren Tage lassen nach, und die Tage danach fühlen sich klarer an.
Bleiben die Beschwerden durchgehend hoch und werden sie nur vor der Menstruation stärker, passt eine zugrunde liegende Erkrankung besser. Die ACOG-Leitlinie (2023) nennt diesen Unterschied ausdrücklich. Auf dieser Website heißt das PME. Hintergrund steht bei was PMDS ist.
Wie häufig das vorkommt
Eine Metaanalyse von 2024 prüfte 44 Studien mit 50.659 Teilnehmenden (Reilly u. a., 2024). Bei bestätigter Diagnose, also mit prospektiver Erfassung, lag die gepoolte Prävalenz bei 3,2 % (95%-Konfidenzintervall 1,7–5,9 %). In Bevölkerungsstichproben mit dieser bestätigten Diagnose waren es 1,6 % (1,0–2,5 %). Bei einer vorläufigen Schätzung, ohne zwei Zyklen Aufzeichnung, waren es 7,7 % (5,3–11,0 %).
Die oft genannte Spanne von 3–8 % liegt über diesen Bereichen. Fragebögen, die auf Erinnerung beruhen, zählen mehr Menschen als Studien, die das Muster über zwei Zyklen bestätigen. Die ältere Zahl mischt zwei Zählweisen.
Welche Leitlinie wo gilt
In den Niederlanden schrieb die NVOG 2011 eine Leitlinie zum prämenstruellen Syndrom. Sie empfiehlt die Kriterien der ISPMD und einen Kalender und stützt sich auf die RCOG-Leitlinie von 2007. Die heutigen internationalen Texte sind jünger: ACOG Clinical Practice Guideline No. 7 (Dezember 2023) und RCOG Green-top Guideline No. 48 (2016, veröffentlicht 2017). Das RCOG hat den Text im Mai 2023 geprüft, eine Aktualisierung ist in Arbeit. Die NICE Clinical Knowledge Summaries bauen auf diesen Quellen auf.
Diese Leitlinien besprechen auch Behandlung, unter anderem SSRI, manche hormonellen Verhütungsmittel und kognitive Verhaltenstherapie. Welche Option passt, und in welcher Dosis, besprichst du mit einer Ärztin oder einem Arzt. Eine Erklärung in klarer Sprache steht bei Behandlung. Diese Seite bleibt beim Mechanismus und bei der Art, wie das Muster erkannt wird.
Weiter in diesem Bereich
Dieselben Quellen stehen auf eigenen Seiten: wie häufig es vorkommt, zwei Zyklen, was Leitlinien zur Behandlung sagen und PME und PMDS in der Forschung.
Quellen
- Bixo M, Stiernman L, Bäckström T. Neurosteroids and premenstrual dysphoric disorder. The British Journal of Psychiatry. 2025. doi.org/10.1192/bjp.2025.103
- Schmidt PJ, Nieman LK, Danaceau MA, Adams LF, Rubinow DR. Differential behavioral effects of gonadal steroids in women with and in those without premenstrual syndrome. New England Journal of Medicine. 1998;338(4):209–216. doi.org/10.1056/NEJM199801223380401
- Reilly TJ, Patel S, Unachukwu IC, et al. The prevalence of premenstrual dysphoric disorder: systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders. 2024. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38199397/
- American College of Obstetricians and Gynecologists. Management of premenstrual disorders. Clinical Practice Guideline No. 7. Obstetrics & Gynecology. 2023;142(6):1516–1533. www.acog.org/clinical/clinical-guidance/clinical-practice-guideline/articles/2023/12/management-of-premenstrual-disorders
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. Management of Premenstrual Syndrome. Green-top Guideline No. 48. BJOG. 2017;124(3):e73–e105. www.rcog.org.uk/guidance/browse-all-guidance/green-top-guidelines/premenstrual-syndrome-management-green-top-guideline-no-48/
- Ismaili E, et al. Fourth consensus of the International Society for Premenstrual Disorders (ISPMD): auditable standards for diagnosis and management of premenstrual disorder. Archives of Women’s Mental Health. 2016. doi.org/10.1007/s00737-016-0631-7
- National Institute for Health and Care Excellence. Clinical Knowledge Summaries: Premenstrual syndrome, supporting evidence. Based on RCOG, ISPMD, ACOG 2023 and BMJ Best Practice 2024. cks.nice.org.uk/topics/premenstrual-syndrome/supporting-evidence/
- World Health Organization. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics. GA34.41 Premenstrual dysphoric disorder. icd.who.int/browse/2025-01/mms/en#1526774088
- American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, fifth edition (DSM-5). 2013. Premenstrual dysphoric disorder. www.psychiatry.org/psychiatrists/practice/dsm
- Nederlandse Vereniging voor Obstetrie en Gynaecologie. Richtlijn Premenstrueel syndroom. Utrecht: NVOG; 2011. www.nvog.nl/wp-content/uploads/2020/06/Richtlijn-Premenstrueel-Syndroom.pdf
Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung und Leitlinien zusammen. Sie ist keine medizinische Beratung und keine klinische Leitlinie. Die App stellt keine Diagnose.
PMDD Tracker ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine fachliche Beratung. Die zyklische Übersicht ist ein Hilfsmittel zur Mustererkennung, kein medizinisches Urteil. Hol dir immer Rat bei einer Behandlerin. Medizinischer Disclaimer.
Häufige Fragen
- Kann eine Blutuntersuchung PMDS zeigen?
- Nein. Blut kann andere Ursachen ausschließen, etwa ein Schilddrüsenproblem. PMDS zeigt sich im Beschwerdemuster über mindestens zwei Zyklen, nicht in einem Hormonwert.
- Sind meine Hormone zu hoch oder zu niedrig?
- Die Forschung zeigt keinen typischen zu hohen oder zu niedrigen Wert, mit dem sich PMDS unterscheiden lässt. Am besten passt eine andere Reaktion des Gehirns auf normale Schwankungen.
- Was ist Allopregnanolon?
- Allopregnanolon entsteht aus Progesteron. Es wirkt am GABA-A-Rezeptor. Der Spiegel steigt und fällt in der Lutealphase mit dem Progesteron.
- Warum mindestens zwei Zyklen?
- Weil die Erinnerung unzuverlässig ist. ICD-11, DSM-5, RCOG, ISPMD und ACOG verlangen ein prospektives Tagebuch über mindestens zwei Zyklen. Wie das in der Praxis aussieht, steht hier: tägliche DRSP-Einträge.
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